Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 29.07.17 „Danke, Martin Schmidt!“ Faltenfrei, aber es juckt schon wieder: Die 05er verabschieden ihren Ex-Trainer, der sehr erholt wirkt und nicht abgeneigt ist, bei nächster Gelegenheit einen neuen Verein zu übernehmen. Zehn Wochen nach der Trennung für einen Tag wiedervereint: Martin Schmidt... | Eva Willwacher ...und Rouven Schröder, der den Ex-Trainer offiziell verabschiedete und ihm zu den Blumen...n | Eva Willwacher ...eine Collage mit Fotos aus sieben Mainzer Jahren überreichte. | Eva Willwacher Stadionsprecher Klaus Hafner nahm Martin Schmidt die Luft, die dieser gebraucht hätte... | Eva Willwacher ...um mit den Hofsängern -You'll never walk alone- anzustimmen. | Eva Willwacher Mit einer mutoartigen Verbeugung bedankte sich der Schweizer beim Mainzer Publikum für eine spektakuläres Kapitel... | Eva Willwacher ...das am Samstag endgültig abgeschlossen wurde. | Eva Willwacher Mainz. Das hätte kein Schönheitschirurg besser hinbekommen können: Rund zehn Wochen nach seiner Freistellung vom Cheftraineramt beim FSV Mainz 05 erschien Martin Schmidt am Samstagnachmittag frisch wie ein Frühlingsmorgen in der Arena am Europakreisel. Ausgeruht, entspannt und „mit ein paar Falten weniger“, wie er in einer kurzfristig einberufenen Journalistenrunde sagte. Schmidt war gekommen, weil der Verein, für den er sieben Jahre tätig gewesen war, ihn offiziell verabschieden wollte, eingebettet in das Testspiel gegen Newcastle United (2:1) und das Stadionfest. Damals, im Mai, war ja alles ein bisschen hoppla hopp gegangen – am Tag nach dem letzten Saisonspiel in Köln waren Sportdirektor Rouven Schröder und Schmidt am Ende eines langen Gesprächs übereingekommen, ihre Zusammenarbeit ein Jahr vor Ablauf des Vertrags zu beenden. Nichts Frustvolles Und Schmidt hatte es danach zunächst einmal in seine Walliser Heimat gezogen, zur Familie, in die Berge. Es folgten fünf Wochen Urlaub in Italien. Dass ihn der Schritt des Vereins, den er zwangsläufig mitgehen musste, schwer getroffen haben könnte, mochte er im Nachhinein nicht kommentieren. Wie lange er gebraucht habe, die Trennung zu verarbeiten? „Die Verarbeitung ging ganz flott“, sagte er. „Das war eigentlich ein normaler Prozess wie nach jeder Saison. Da ist man müde, will nur schlafen, wieder zu Kräften kommen. Aber es war nichts Frustvolles dabei, das ich hätte verarbeiten müssen.“ Und sollte jemand glauben, sein Verhältnis zu den Mainzer Verantwortlichen sei gestört, „der konnte ja vorhin sehen, wie Rouven und ich miteinander umgegangen sind“. Tatsächlich hatten der Trainer und der Sportvorstand vor dem Spiel sehr herzlich miteinander gewirkt, als Schröder sich für die herausragende Arbeit des Schweizers mit dem Drittligaaufstieg, dem Einzug in die Europa-League-Gruppenphase und zuletzt dem Klassenverbleib „in einem hochdramatischen Finale“ bedankte – der Applaus der knapp 7000 Zuschauer fiel entsprechend begeistert aus. Schmidt habe Spuren hinterlassen, betonte Schröder, „er hat diesen Verein gelebt, er hat den Verein nach innen und außen immer würdig vertreten. Danke, Martin Schmidt!“ Interesse an Italien Doch Schmidt war nicht nur gekommen, um sich danken zu lassen, sondern auch, um selbst dankzusagen. „Für die sieben Jahre. Dass ihr mich als Schweizer so gut aufgenommen habt, als wenn ich von hier wäre. Ich werde Mainz immer in meinem Herzen tragen. Es war ein harter Weg, es war ein spannender Weg – und so, wie die Bude am vorletzten Spieltag beim 4:2 gegen Frankfurt gebrannt hat, muss die Bude immer brennen. Dann wird es für Mainz 05 weitergehen.“ Wem diese letzte Ansprache des Mannes aus den Bergen schon Gänsehaut verursachte, dem jagte anschließend eine Abordnung der Mainzer Hofsänger mit einer eigenen Interpretation von „You’ll never walk alone“ einen Schauer über den Rücken („Ich hätte gerne mitgesungen“, sagte Schmidt) – so etwas hatten auch die Damen und Herren aus Newcastle noch nicht gehört. Seinen Italienaufenthalt, erzählte Martin Schmidt später, habe er nicht nur zur Regeneration genutzt, sondern auch, um die Sprache aufzufrischen, sich weiterzubilden, Kontakte zu knüpfen, mit Fußballfunktionären zu reden. Klingt nach einen bevorstehenden Engagement jenseits der Alpen – was er auch nicht ausschließen will. Nach jahrelangem Tief bewege sich im italienischen Fußball wieder einiges, gespielt werde auf taktisch hohem Niveau. „Allerdings haben die dort keine ausländischen Trainer in der Ersten Liga.“ Aber man kann sich ja mal neue Ziele setzen. Zum Blumengießen in Mainz Schmidt („Es juckt schon wieder“) verhehlt allerdings nicht, dass die Bundesliga auf seiner Liste bevorzugter Einsatzbereiche ganz weit oben steht. „Wenn man da einmal ist, will man auch da bleiben.“ Grundsätzlich gebe es zwei, drei Ligen, in denen er sich vorstellen könne zu arbeiten. Ob die Schweiz dazugehört? Der Walliser grinste. „Dazu sage ich nichts.“ Mainz, wo er nach wie vor eine Wohnung habe und alle paar Wochen vorbeischaue, um Blumen zu gießen oder sich mit Freunden zu treffen, sei ein spektakuläres Kapitel gewesen. Das merke er, wenn er alte Zeitungen ordne, Presseartikel und andere Unterlagen abhefte. Dieses Kapitel sei abgeschlossen, er mache sich daran, ein neues zu schreiben. „Das Buch ist noch lange nicht voll. Und für euch beginnt jetzt das Kapitel Sandro Schwarz.“ Alle Artikel von Fußball (Bundesliga)