U-17-Bundesliga Jugend | Christian Karn | 09.03.14 Brutal-beeindruckende Mainzer Junioren U17 des FSV Mainz 05 nimmt den FC Bayern München in der Bundesliga mit 4:0 auseinander. Nieder-Olm. Die Humba, mit der Ilker Yüksel am Sonntagmittag gegen 12.40 Uhr auch noch die letzten schlafenden Nieder-Olmer weckte, war diesmal ein bisschen länger als sonst. „Bau ein ,Spitzenreiter‘ ein“, hatte Meikel Schönweitz bestellt, und das Sturmmonster der U17-Fußballer des FSV Mainz 05 brüllte zwischen dem B und dem A ein „SPIIITZENREITER!“ durch das Städtchen. Schon am Samstag hatte die Konkurrenz den Weg freigemacht. Der in letzter Zeit ohnehin starke 1. FC Nürnberg revanchierte sich mit einem 3:1 über den VfB Stuttgart für die 0:12-Hinspielniederlage. Die SpVgg Greuther Fürth verlor gegen den 1. FC Kaiserslautern. Die 05er brauchten, um diese Vorlagen zu nutzen, einen Heimsieg gegen Bayern München, und den erreichten sie mit einer überragenden Partie. Bayern noch gut bedient „Beeindruckend. Sehr beeindruckend“, schwärmte 05-Leistungszentrumschef Stefan Hofmann nach dem 4:0 (1:0) seiner Jungs, mit dem die Bayern sogar noch gut bedient waren. „Brutal“, schwärmte Trainer Schönweitz, „eines der besten Spiele, die wir in Nieder-Olm bisher gezeigt haben. Selbst für mich ist es beeindruckend, mit welcher Konsequenz die Jungs sechzig Minuten lang alles umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben. Sie haben einen Gegner, der selbst etwas vorhatte, so aus dem Spiel genommen, dass ich nie das Gefühl hatte, wir könnten einen Punkt abgeben.“ Die 05er begannen schwungvoll, griffen von der ersten Minute an in schnellem Rhythmus immer wieder das Tor der Bayern an, waren aber auf den letzten Metern zunächst viel zu großzügig, verbauten sich so klare Torchancen, vergaben die, die sie hatten leichtfertig. Schon in dieser Phase war aber der Schwachpunkt der Bayern zu erkennen: Die Abwehr war eine einzige Schnittstelle. Die 05er hatten die freie Auswahl, ob sie die Bälle zwischen die Innenverteidiger oder eins weiter außen durchspielen oder die Außenstürmer an der Seitenlinie entlangschicken wollten, alles funktionierte. Die Flugbälle waren mal etwas länger, dann bekam sie der Torwart, mal etwas kürzer, dann bekam der Torwart ein Problem. Doppelschlag nach der Halbzeit Wie in der 22. Minute, als ein Befreiungsschlag von Nils Flühr 60 Meter weit in den Lauf von Leon Kern flog. Der Stürmer zog durch die Lücke zwischen den Innenverteidigern davon und überlupfte den Torhüter zum 1:0. „Flühr war zuletzt dreimal auf der Bank, kam heute rein und macht dann so ein Spiel“, lobte Schönweitz den Außenverteidiger. „Hinten hat er nichts zugelassen. Wir hatten schon besprochen, dass wir die Mannschaft vielleicht ein bisschen rotieren lassen. Das ist in der Jugend total ungewöhnlich, aber mit diesem Kader ist es möglich.“ Diesmal nicht. Ein Doppelschlag nach der Halbzeit brachte die Vorentscheidung. Das 3:0 von Kern nach Steilpass von Suat Serdar in der 48. Minute war eine klare Sache, das 2:0 vier Minuten zuvor jedoch ein bisschen umstritten. Die Frage nach dem Torschützen beantwortete Schiedsrichter Benedikt Seyler nach dem Spiel mit „Eigentor von der Nummer 3“ – die 05-Bank hatte sich zuvor auf ein direktes Freistoßtor von Mike Andreas geeinigt. Auslegungssache. „Wahnsinn“, befand auch Heiko Herrlich Das vorangegangene Handspiel hoch in der Luft war für die Beobachter auch unstrittig; nur Bayern-Trainer Heiko Herrlich hatte einen Freistoß für sein eigenes Team reklamiert. Immerhin ohne den Ausruf „Das ist doch Wahnsinn!“, der in der Anfangsphase drei Mainzer Fouls begleitet hatte; den hatte sich Herrlich abgewöhnt, nachdem ihn 05-Kotrainer Thorsten Effgen grinsend beim ersten Foul der Bayern geklaut hatte. Eine Viertelstunde lang stand es nun 3:0. Die Bayern wollten noch nicht aufgeben, fanden aber immer noch nicht ins Spiel. „Wir wussten ja, wie sie spielen“, erklärte Schönweitz. „Sie haben unser Spiel in Augsburg sogar aufgenommen, wussten also auch, wie wir spielen, aber das Ergebnis zeigt, dass wir ihre Schwachstellen kannten. Wir wussten, dass sie gerne über außen spielen und haben ihnen von Anfang an diese Stärke genommen.“ Herz, Leidenschaft, Mentalität Nach dem 4:0, erneut einem Eigentor nach Eckball von Serdar in der 63. Minute, wurde das Spiel ein paar Minuten lang etwas merkwürdig. Eine Mischung aus Euphorie und vielleicht einem Krümelchen Überheblichkeit ließ die 05er Ballbesitz und Ordnung verlieren. Gleichzeitig wurden die schlechtgelaunten Bayern, die erst eine Minute vorher drei Neue eingewechselt hatten, doppelt so schnell wie zuvor. Es dauerte ein paar Minuten, bis die Mainzer das wieder in den Griff bekamen; Torchancen entstanden in dieser Phase nicht. Die Mission für die Schlussphase, „Kein Gegentor!“, geriet nur in der 77. Minute in Gefahr. Was steckt hinter dem Höhenflug der 05er? „Sehr, sehr viel Arbeit“, erklärte Schönweitz. "Herz, Leidenschaft, Mentalität. Das schlägt Talent, das schlägt den Favoriten Bayern München. Die Jungs holen körperlich unheimlich viel aus sich heraus, setzen vieles um von dem, was wir wollen, sind ehrgeizig und machen einfach Woche für Woche Fortschritte. Das ist eine Top-Rückmeldung an einen Trainer.“ Und bringt den 05ern nach 18 von 26 Spieltagen erstmals seit September 2010 die Tabellenführung. FSV Mainz 05: Fl. Müller - Breitenbach (64. Leinhos), Kirchen (80. Lüdecke), Ech-Chad, Flühr - Andreas - Serdar (63. Herr), Mörschel (73. Abardah), Weißmann - Kern, Yüksel. Alle Artikel von Fußball (Amateure)