Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 08.08.26 Der Körper sendet positive Signale NACHSCHLAG AUS DEM BRIXENTAL (21) | Langfristige Verträge schließt Stefan Bell seit geraumer Zeit nicht mehr ab. Der Innenverteidiger des FSV Mainz 05 denkt von Jahr zu Jahr und bezieht viele Faktoren in seine Überlegungen ein. Stefan Bell (r.) ist einer der Routiniers in der Innenverteidigung, denen junge Kollegen wie Kacper Potulski im Nacken sitzen. | Peter H. Eisenhuth Hopfgarten/Mainz. Das erste Trainingslager unter Urs Fischer ist Geschichte, nach dem Heimflug am Mittwoch gab der Trainer seiner Mannschaft einen Tag frei. Am Freitag begann die letzte etwas mehr als zweiwöchige Phase der Vorbereitung, zu der auch zwei Testspiele gehören: an diesem Samstag gegen Paris FC (17 Uhr, Bruchweg) und eine Woche später gegen den von Marco Rose trainierten FC Bournemouth (15.30 Uhr, Arena). In einem wesentlichen Aspekt werden sich diese beiden Begegnungen von den bisherigen unterscheiden: „Das geht dann schon in Richtung Anfangself“, kündigt der Trainer an. Wer gegen die Franzosen von Beginn an spielen darf, hat beste Aussichten, auch am 23. August im DFB-Pokal beim VfB Krieschow den Anpfiff auf dem Rasen zu erleben. Immer wieder gelungene Comebacks Spannung verspricht der Konkurrenzkampf unter anderem in der Innenverteidigung, wo sich bislang sechs Akteure um drei Positionen bewerben, sollte es gelingen, Stefan Posch aus Como an den Bruchweg zurückzuholen, wären es sieben. Und den Routiniers Stefan Bell (34), Danny da Costa (33), Dominik Kohr (32) und Andreas Hanche-Olsen (29) sitzen Neuzugang Fabio Gruber (23) und Kacper Potulski (18) im Nacken. Von allen Genannten mit Abstand am längsten im Klub ist Stefan Bell. 2007 vom TuS Mayen gekommen und Stammspieler des U-17-Bundesligateams geworden, wechselte er nach der Jugend zwar für anderthalb Saisons zum TSV 1860 München und Eintracht Frankfurt und musste sich danach über die U23 wieder oben anbieten. Von Sommer 2013 an aber avancierte er zur Stammkraft, die er sechs Spielzeiten lang blieb – bis ihn eine schwere Sprunggelenkverletzung, erlitten durch ein Foul im Pokalspiel beim 1.FC Kaiserslautern zu einer fast eineinhalbjährigen Pause zwang. Seither wiederholt abgeschrieben, in der Coronazeit von Sportvorstand Rouven Schröder mit einem Vertragsangebot konfrontiert, war der 1,92-Meter-Mann immer wieder für ein gelungenes Comeback gut. „Bello hat sieben Leben“ Egal, ob von Konkurrenten verdrängt oder durch eine Herzmuskelentzündung zu monatelangem Nichtstun verurteilt: „Bello hat sieben Leben“, sagte sein ehemaliger Trainer Bo Henriksen über den Abwehrchef, der mit 302 Bundesligaspielen im 05-Trikot unangefochtener Rekordhalter der Rheinhessen ist. So, wie Fußballer in der Regel von Spiel zu Spiel denken, denkt Bell bei seinen Vertragsverlängerungen seit geraumer Zeit von Jahr zu Jahr. Auch in diesem Sommer hat er seine Unterschrift unter einen Kontrakt für eine weitere Saison gesetzt. „Die Sachen, die bei der Entscheidung für mich und auch für den Verein eine Rolle spielen, sind nicht mehr langfristig planbar“, erläutert er. Nämlich: „Wie macht der Körper mit? Wie viele Einsätze gibt’s? Macht es noch Spaß? Habe ich eine Rolle, die mir passt?“ Über die Signale, die sein Körper sendet, kann Bell nicht klagen. „Ich fühle mich in der Vorbereitung topfit, ich liege sehr wenig bei den Physios, nur für die Pflichttermine. Das ist immer ein gutes Zeichen. Und bei den Leistungstests kann ich ordentlich mithalten.“ „Was die Ausdauer angeht, wird es sogar einfacher, mich zurückzuarbeiten“ Ein wichtiger Aspekt in der Bewertung der eigenen Physis sei die Frage, welcher Art die erlittenen Verletzungen seien, ob „aus körperlicher Schwäche“ oder durch Fremdeinwirken verschuldet. Die Rückrunde der vorigen Saison beispielsweise endete für Bell praktisch Mitte Februar beim 0:4 in Dortmund – „weil mir jemand aufs Knie gefallen ist“. Darauf hat ein Spieler keinen Einfluss (jedenfalls nicht, wenn er keine Zweikämpfe scheut). Etwas anders fielen seine Überlegungen vermutlich aus, würde er ein ums andere Mal von Muskelverletzungen heimgesucht. „Die kommen vom Körper selbst und brechen immer wieder den Rhythmus, drei Wochen hier, drei Wochen da.“ Wie lange es dauert, sich nach Ausfallzeiten zurückzuarbeiten, hänge von der Dauer der Pause ab. Mit zunehmendem Alter sei es jedoch nicht zwingend schwieriger geworden. „Was die Ausdauer angeht, wird es sogar einfacher, über all die Jahre habe ich mir eine ganz gute Basis aufgebaut und verliere wenig, wenn ich ein paar Wochen nicht trainieren kann.“ Keine Angst vor dem Karriereende Über ein Ende seiner Karriere mache er sich noch keine ernsthaften Gedanken, sagt Bell. „Aber ich habe keine Angst davor. Wenn es so weit ist, gilt es damit umzugehen.“ Er habe so viele Ideen, so viele Dinge, auf die er sich freue, mit denen er seine Zeit im Alltag verbringen könne, dass ihm sicher nicht langweilig werde. Festlegen auf eine bestimmte Tätigkeit für die Zeit danach wolle er sich noch nicht. „Ich kann mir vieles vorstellen, aber sicher werde ich erst mal ein bisschen Abstand brauchen, eine selbstbestimmte Reise- und Erholungszeit.“ Anzeige Anzeige Anzeige Alle Artikel von Fußball (Bundesliga)