Guido Steinacker / Peter H. Eisenhuth | 02.05.26

Durchziehen bis zum Schluss

Es geht um Platzierungen, Rekorde, gegen den Abstieg – und in einem Fall um die Aufstiegschance: Die Vorschau auf den Amateurfußball von der Regional- bis zur Landesliga.
Den zweiten Tabellenplatz, den sie mit dem souveränen Sieg gegen Jahn Zeiskam erobert haben, wollen Shelby Printemps und der FC Basara nicht mehr hergeben.
Den zweiten Tabellenplatz, den sie mit dem souveränen Sieg gegen Jahn Zeiskam erobert haben, wollen Shelby Printemps und der FC Basara nicht mehr hergeben. | Bernd Eßling

Regionalliga

TSV Schott Mainz | Große Umstellungen plant Samuel Horozovic nach dem starken Auftritt beim 3:1 gegen die Stuttgarter Kickers nicht. Der Trainer hofft, dass die Zeit der sehr wechselhaften Resultate mit überraschenden Erfolgen und deftigen Klatschen vorbei ist und wird seine Leute auf eine der stärksten Mannschaften der Liga einstellen.

Nicht von ungefähr hat sich der SV Sandhausen, nach dem Drittligaabstieg und einem kompletten Umbruch schlecht in die Saison eingestiegen, auf den vierten Tabellenplatz hochgearbeitet. Rund 2500 Fans dürften die Gastgeber unterstützen. „Das wird eine schwere Auswärtsaufgabe, ist aber schon wegen der kurzen Anreise eine der schönsten“, sagt der Schott-Trainer.

In den Übungseinheiten des TSV geht es inzwischen nicht mehr nur um die Vorbereitung auf den nächsten Gegner, sondern auch um Dinge, die im Pokalfinale am 23. Mai gegen den FK Pirmasens wichtig werden. „Wir haben Prinzipien wie das Gegenpressing thematisiert“, sagt Horozovic, „gegen die Stuttgarter Kickers hat das schon ganz gut funktioniert.“ Anstoß: Samstag, 14 Uhr.

 

FSV Mainz 05 II | Der designierte Drittligaaufsteiger gastiert am Bruchweg. Gegen die SG Sonnenhof Großaspach will die U23 um den am vorigen Wochenende zurückeroberten dritten Tabellenplatz kämpfen. → Voller Einsatz gegen den kommenden MeisterAnstoß: Samstag, 14 Uhr.

 

 

Oberliga

SV Gonsenheim | Noch ein letztes Mal Koblenz in dieser Saison – und dann ist auch gut. Nach zwei Partien auf dem Oberwerth mit vier Punkten Ertrag gastiert SVG auf einem ganz anderen Gelände, auf dem neuen Kunstrasen der Bezirkssportanlage Schmitzers Wiese, beim FC Cosmos.

Mit einem Sieg beim Tabellenzwölften wäre der Klassenverbleib sicher, falls der FV Diefflen, dem noch drei Punkte abgezogen werden, gleichzeitig verliert. „Es kann sein, dass die 39 Punkte, die wir jetzt schon haben, reichen werden“, sagt Trainer Luca Vanni. Die Rechnerei muss er allerdings nicht mitmachen, er geht davon aus, dass seine Mannschaft in allen verbleibenden Partien noch Zählbares ergattern kann.

Mit Höhen und Tiefen

Wiederaufsteiger Cosmos sei eine Mannschaft „mit hoher individueller Qualität“, bestehend zum Teil aus Ex-Profis, aber auch dem aktuellen haitianischen Nationaltorwart und WM-Teilnehmer Josue Duverger sowie Nationalcoach Sébastien Migné,  inzwischen dritter Trainer in dieser Saison. „Eine sehr spezielle Mannschaft, die verschiedene Höhen und Tiefen durchlebt hat“, umschreibt Vanni den FC. Mitte Oktober nahmen die Koblenzer beim 0:3 die Punkte von der Kapellenstraße mit und verdarben den Gonsenheimern die Rückkehr auf die sanierte Heimstätte.

Nach dem „für den Kopf schweren Ende“ des Duells mit Tabellenführer 1. FC Kaiserslautern II (3:4 in der letzten Sekunde der Nachspielzeit) lautete das Ziel in der Trainingswoche, „Frische hineinzubringen“. Erst am Donnerstag wurde es wieder intensiv, es folgt wie immer bei Sonntagspartien eine lockere Einheit am Samstagvormittag. An den Spielern selbst gebe es zu diesem Zeitpunkt der Saison nicht mehr viel zu schrauben. „Man ändert die Charakteristik nicht mehr, es geht um Frische.“ Die werde sein Team haben. „Man merkt, dass die Mannschaft gut drauf ist.“ Anstoß: Sonntag, 14 Uhr. 

 

 

Verbandsliga

TuS Marienborn | Was ist der Unterschied zwischen Kayhan Cakicis Fahrrad und der Saison? Sein Rad hatte der Trainer gerade abgeschlossen, als SPORTAUSMAINZ.de bei ihm anrief, mit der Verbandsliga hat er dies noch nicht. Vor Spieltage vor dem Ende denke er nicht daran, dem TuS Mechtersheim an der Kirschhecke in die Meistersuppe zu spucken und die Entscheidung im Titelkampf um eine Woche hinauszuzögern.

„Meine Interessen sind andere“, sagt der Trainer des Tabellenneunten. Nämlich zum einen, mit den Marienbornern die Klasse zu halten, bevor er sich nach Ingelheim verabschiedet. Und zum anderen, Inhaber des Verbandsliga-Punkterekords zu bleiben, den er einst mit dem TSV Schott aufgestellt hatte. 81 Punkte waren das – und gegen die Mechtersheimer mit 69 Zählern würde schon ein Unentschieden genügen, um sie diese Marke nicht mehr erreichen zu lassen

„Mehr laufen als uns lieb ist“

„Gegen einen solchen Gegner zu spielen, muss Spaß machen“, sagt Cakici. „In der Hinrunde hatten wir den bis zur 66. Minute, danach war Schluss mit lustig.“ Aus dem 1:1, das seine Leute bis dahin hielten, wurde eine 1:4-Niederlage. „Diesmal sind wir besser besetzt, deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir umsetzen, was wir uns vornehmen.

Als da wären: Die Gäste vorne attackieren, sie unter Druck setzen, um nach Ballgewinnen kurze Wege zu Tor zu haben. Hartes Mittelfeldpressing und das Zentrum vor dem Strafraum besetzen, um Steckbälle und Schüsse aus der zweiten Reihe zu verhindern, für die zum Beispiel Andrew Wooten immer gut ist. „Um all das hinzukriegen, müssen wir kontinuierlich unsere Positionen besetzen und wie so oft mehr laufen als uns lieb ist.“

Einer wird seine Position gar nicht erst einnehmen: Cakici selbst. Der Coach ist nach der Roten Karte vom 4:3 in Steinbach gesperrt, das Coaching übernehmen Timm Belz, Jens Strußenberg, Markus Wendel und Kevin Weissmann. Anstoß: Sonntag, 15.15 Uhr.

 

TSG Bretzenheim 46 | Würde sich die Situation im Tabellenkeller doch nur um einen Nichtabstiegsplatz entspannen. Ein mit 28 Punkten gleichauf liegendes Trio inklusive der Mannschaft von Timo Schmidt müsste dann nicht so furchterregt auf den 13. Rang des FK Pirmasens II schauen, sondern eher gelassen auf den 14. Platz des SV Morlautern (20 Punkte).

Etwas enttäuschend war es für die Bretzenheimer, dass der feine 5:2-Sieg gegen Bienwald Kandel keine Entspannung brachte, weil der FKP II und der SV Steinwenden im direkten Aufeinandertreffen beide punkteten (2:2). Das kann aber auch noch zu einem guten Ergebnis für die TSG werden.

Gut möglich, dass sich der Dreikampf gegen den 13. Tabellenplatz, dessen Inhaber vom Aufstieg des Vizemeisters abhängig wäre, bis zum Saisonende fortsetzen wird. Einen Sieg beim TB Jahn Zeiskam einzuplanen, fällt den Bretzenheimern zwar nicht ein, aber eigentlich brauchen sie diesen Coup, der als Nebeneffekt, das Rennen um den zweiten Platz zugunsten des FC Basara entscheiden würde. Anstoß: Sonntag, 15 Uhr.

  

VfB Bodenheim | Es gibt immer noch etwas zu erreichen, das eine Anstrengung lohnt: So lautet die überraschende Botschaft am Guckenberg nach all den Misserfolgen unter Trainer Marco Streker, der im Januar übernommen hatte, aber erst einen Sieg verzeichnet. Der war mit dem 3:2 in Kandel zwar ein Coup, dem aber seither nichts folgte außer sechs weiterer Niederlagen.

Dennoch: Der 14. Platz, auch wenn der nach Lage in der Oberliga nicht zum Klassenverbleib reichen wird, ist immer noch möglich. Sieben Punkte ist der dort platzierte SV Morlautern voraus, nur noch vier sollen es nach dem Gastspiel des VfB sein. Bei einer Niederlage ist das Thema durch.

Eigentlich ist Streker längst mit der zweiten Aufgabe befasst, auf die er sich im Winter mit dem Verein geeinigt hatte: eine bis auf einige verbleibende Stammkräfte neue Mannschaft zusammenzustellen, die einen verlässlicheren Trainingsbetrieb ermöglicht und auf Spieler baut, die sich auf den Verein einlassen. Anstoß: Sonntag, 15 Uhr.

 

FC Basara Mainz | Durchziehen bis zum Schluss ist nach dem gewonnenen Duell gegen Jahn Zeiskam die einzige Losung, die für Shinji Okazaki zählt. Zunehmend wuchs beim Trainer des neuen Tabellenzweiten in den vergangenen Wochen die Überzeugung, dass keine negativen Überraschungen zu erwarten sind.

Viktoria Herxheim war nach dem elften Spieltag eine Woche Tabellennachbar des FCB, hat seither aber nahezu die gesamte Zeit lediglich in der Zone bis zum zehnten Platz verbracht. Das ist dann doch eine andere Rolle des Oberligaabsteigers, als sie sich der FCB erarbeitet hat.

Auf eigenem Platz hat der Tabellensiebte nur vier Spiele gewonnen, auswärts kamen bisher drei Punkte mehr herein. Das sah bis zur Winterpause mit gerade einem Heimsieg noch dramatischer aus, aber in den vergangenen Wochen mussten die Kellerkinder in Herxheim vorbeischauen. Anstoß: Sonntag, 16 Uhr.

 

 

Landesliga

SVW Mainz | Dass es nicht gelingen wird, den dritten Platz der vorigen Saison zu bestätigen, ist zwar theoretisch noch nicht entschieden. Aber solch hohe Ziele musste der Tabellenachte sich nach dem Ende der Winterpause schnell abschminken. Inzwischen haben die Weisenauer sich zwar personell wie in der Formkurve weitgehend gefangen, aber letzte tabellarische oder bilanzielle Ziele mag Trainer Jochen Walter nicht formulieren, vielmehr gehe es um den Spaß.

Aufhübschen könnte die Mannschaft die etwas dürftige Auswärtsbilanz mit einem Schnitt von knapp mehr als einem Punkt pro Partie – auf dem eigenen Platz gab es mit 25 Zählern nahezu die doppelte Ausbeute. Von den beiden verbleibenden Reisen ist die zum zehntplatzierten FG Mutterstadt die leichtere, in zwei Wochen wird es beim FC Speyer jedenfalls auf dem Papier deutlich anspruchsvoller.

Außer nach dem zweiten Spieltag war die SVW den Pfälzern in der Tabelle immer voraus, gegen Ende der Hinrunde gar um acht Plätze, nicht zuletzt wegen des 6:1-Erfolge beim Mutterstadter Gastspiel auf der Bezirkssportanlage. Anstoß: Sonntag, 14.30 Uhr.

 

SpVgg Ingelheim | Die Gefahr, dass mit einer erfolgreicheren Phase gleich die großen Pläne aufblühen, ist in Ingelheim aktuell nicht sehr ausgeprägt. Mit dem künftigen Trainer Kayhan Cakici wird sowieso alles anders. Eric Oehler, der die Mannschaft vom zurückgetretenen Johannes Schön im Herbst übernommen hatte, möchte sie im bestmöglichen Zustand übergeben. Wie groß die Umwälzungen mit dem Einstieg des ambitionierten Cakici werden, weiß noch niemand.

Aber die Bewerbungsphase läuft und dies noch vier Partien lang, beginnend am Sonntag (15 Uhr) mit der Aufgabe bei der TSG Pfeddersheim. Den Tabellennachbarn mit einem Punkt Vorsprung können die Ingelheimer genauso realistisch einfangen wie die FG Mutterstadt, Gegner am letzten Spieltag, und den ASV Fußgönheim.

Die Vervollständigung des Kaders durch die Rückkehr länger verletzter Akteure wie Fabian Steinmetz wirkte sich deutlich auf die Ergebnisse aus, sodass es fast schade ist, dass die SpVgg sich in dieser Verfassung nicht mit mehr mit den besten Klubs messen darf. Anstoß: Sonntag, 15 Uhr.

Alle Artikel von Fußball (Amateure)