Bundesliga | Christian Karn | 25.09.2017

Am Ende fehlen die Pitcher

Mainz Athletics verlieren gegen die Heidenheim Heideköpfe in fünf Spielen ein Halbfinale, das schon nach vier Partien entschieden war.

Mainz. Für die Mainz Athletics ist die Bundesligasaison 2017 beendet – ein paar Wochen früher als erhofft, ein paar Wochen später als befürchtet. Der Traum von der Titelverteidigung ist im Halbfinale gegen die Heidenheim Heideköpfe geplatzt. Die Hoffnung, den Topfavoriten, Süd- und Interleague-Meister nach dem 1:1 in Schwaben und dem gewonnenen dritten Spiel auf eigener Anlage in der Best-of-five-Serie in die Knie zwingen zu können, erfüllte sich nicht.

„Schade, dass wir das Momentum nach dem Sieg am Samstag nicht mitnehmen konnten“, sagte Max Boldt. „Aber es ist cool, was man aus einem so kleinen Kader machen kann. Wenn man die Situation am Anfang der Saison betrachtet...“

Fünf Pitcher waren dem Trainer gegenüber dem Meisterjahr verlorengegangen, neben Eric Massingham und Manuel Möller (Karriereende) sowie Thomas de Wolf auch noch ganz kurz vor der Saison Jan-Niclas Stöcklin durch Verletzung und Lucas Dickman. „Wir hatten gehofft, Janni in den Play-offs zurückzubekommen, aber das hat nicht geklappt“, bedauerte Boldt. „Die Interleague war dadurch auch nicht so toll, aber wir haben in den K.o.-Spielen nochmal Gas gegeben, wir haben Baseball gespielt. Jetzt geht der Blick nach vorne, wir werden wieder angreifen.“

Tolles Plays, aber ein kranker Barr

Eine Chance, schon in diesem Jahr wieder ins Finale einzuziehen, hätten die A’s nur mit einem Riley Barr in Topform besessen. Beim 3:2-Sieg im zweiten Spiel bei den Heideköpfen war der US-amerikanische Pitcher nahezu unüberwindbar gewesen, doch in der vierten Partie war er von dieser Leistungsfähigkeit weit entfernt. Barr hatte unter der Woche wegen Fiebers nicht trainieren können, war noch immer nicht fit, hielt zwar lange durch, nachdem er im ersten Inning gewackelt hatte, brach dann aber ein.

Bis zum dritten Inning waren die Mainzer im Spiel, Kevin Kotowski hatte die Heidenheimer Führung ausgeglichen. „Und wir haben tolle Plays geschafft“, lobte Boldt seine Defensive. Zu den herausragenden Aktionen gehörte ein Catch von Kotowski am Zaun, „bei dem man alles geben und gegen jeden Instinkt gehen muss. Davor muss ich meinen Hut ziehen“.

Kotowski hatte sich in den grünen Outfieldzaun geworfen und einen Ball gegriffen, der auf dem Weg war, ein Homerun zu werden. Peter Johannessen hatte kurz zuvor Ähnliches versucht und das Risiko demonstriert – der Schwede krachte gegen die Metallstange, die den Zaun aufrecht hält, konnte aber weiterspielen. Boldt hob auch die Defensivaktionen von Nici Weichert hervor; der Shortstop konnte wegen einer schweren Kapselverletzung am Daumen seit Wochen nicht trainieren, biss sich aber mit großem Kampfgeist durch die Innings. „Man kann uns nicht nachsagen, dass wir nicht alles gegeben hätten.“

Schnorbach beginnt stark

Durch Mitch Nilssons 3-RBI-Homerun im vierten Inning nach einem Double von Owens und einem Walk für Simon Gühring brachten die von einer Busladung motivierter Fans in jeder Szene angefeuerten Heideköpfe die Sache jedoch aus dem Gleichgewicht. Im fünften Inning erhöhten sie auf 6:1, und nach dem 8:1 im sechsten Inning war Schluss für den entnervten, entkräfteten Barr. Das Spiel schien bereits verloren, aufgeben mochten die Mainzer aber nicht. Kevin Kotowski, Lennard Stöcklin und Boldt scorten zum 4:8, Zach Johnson fehlten Zentimeter zum 5:8, der Run zum denkbaren 6:8 wäre dann in Person von Martin Kipphan auf der zweiten Base gewesen.

Der eingewechselte Kevin Schnorbach hatte auf dem Mound die Lage im Griff, warf zwar zwei Mann ab, servierte ansonsten aber Pitches für Flyouts, Strikeouts – und bekam erst im achten Durchgang, nach seinen ersten sechs Aus, die tatsächliche Qualität der Heidenheimer Offensive zu spüren. Als der 16-Jährige nach vier Hits und zwei Walks ebenfalls ausgewechselt wurde, stand es 4:13, nach dem sechsten Pitch des eingewechselten Nici Weichert 4:14. Als das neunte Inning gelaufen war, stand es 9:14.

„1:14 wird der Sache nicht gerecht“

Und damit war das Halbfinale entschieden. Zwar gab es noch ein fünftes Spiel, doch in das gingen die A’s mangels Pitcher ohne jede Chance. „Voriges Jahr wussten die Jungs, dass sie dieses fünfte Spiel verlieren würden, diesmal war‘s andersherum“, sagte der Heidenheimer Centerfielder Owens. Am Ende stand ein 1:14 – „und das wird der Sache nicht gerecht“, ärgerte sich Boldt. „Die Heidenheimer waren offensiv stark, uns ist die Puste ausgegangen. Und es war klar, dass wir gegen Clayton Freimuth, den besten Reliever Deutschlands, ein schweres Match haben würden. Ich hatte gehofft, dass sie ihn vorher werfen lassen müssen, wir hatten auch gehofft, das vierte Spiel zu gewinnen und den Haken zu setzen.“

Die A’s hatten zwar nie aufgegeben, aber ihre guten Pitcher aufgebraucht. „Und gegen diesen Gegner wird es dann extrem schwierig.“

 

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