Guido Steinacker | 29.04.2020

Auch im Jahr ohne Wettkampf ganz vorne

SPORTLEREHRUNG: Das Minigolf-Ehepaar Alice und Roman Kobisch hat eine umfangreiche Sammlung an nationalen und internationalen Erfolgen vorzuweisen. Die langjährigen Aktiven des 1. MGC Mainz beenden die im März eingestellte Saison als Führende der Senioren-Weltrangliste.
Bestes Minigolf-Ehepaar der Welt: So dürfen Alice und Roman Kobisch sich völlig zu Recht nennen. Die Addition ihrer langen Liste nationaler und internationaler Titel ist unerreicht.
Bestes Minigolf-Ehepaar der Welt: So dürfen Alice und Roman Kobisch sich völlig zu Recht nennen. Die Addition ihrer langen Liste nationaler und internationaler Titel ist unerreicht. | Bernd Eßling

Mainz. Ginge es in dieser Sportart nicht nur um Ruhm und Ehre, sondern auch um finanzielle Interessen, niemand hätte in der Minigolfszene an der Coronakrise mehr zu leiden als die Bahnensportler des 1. MGC Mainz. Der deutsche Spitzenklub mit seinen auch international seit Jahrzehnten stets erfolgreichen Spielern kann seine beeindruckenden Erfolgsstatistiken in diesem Jahr nicht weiter ausbauen. Sämtliche Events, bei denen die Mainzer Minigolfer sonst um Titel und Medaillen kämpfen, ob die Bundesligasaison, die Deutschen Meisterschaften, die WM, aber auch sämtliche Jugendwettbewerbe bis hin zum vorgesehenen Schlusspunkt im Oktober, die Europäische Champions League im portugiesischen Portel – alles abgesagt.

Und dann auch noch die Sportlerehrung der Stadt Mainz. Bei der sind einige der MGC-Akteure Stammgäste, nicht zuletzt das unbestritten erfolgreichste Minigolfpaar der Welt, Alice und Roman Kobisch. Wegen des allzu frühen Endes der Saison – nur ganz wenige Wettkampftermin in der Halle standen bis Anfang März an – werden die beiden Probleme bekommen, etwas vorzuweisen, das sie für die Sportlerehrung 2021 qualifiziert. Allerdings: „Die Senioren-Weltrangliste ist eingefroren und wir stehen beide vorne, daran kann sich in diesem Jahr auch nichts mehr ändern“, kann Alice Kobisch verkünden. Rang zwei bei den Männern nimmt übrigens ein weiterer Mainzer ein, Markus Janßen.

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Titelsammlung kann nicht wachsen

Das Quartier für Portel hatten die Kobischs schon gebucht, „den Flug zum Glück noch nicht“. Sie werden versuchen, das Hotelzimmer zum Ersatztermin im kommenden Jahr umzubuchen. Dass die Titelliste nicht weiter anwächst, ist für das Erfolgspaar zu verschmerzen. In diesem Jahr hätte es zusammen mit Patrick Beringhausen und Janßen für den siebten Deutschen Mannschaftsmeistertitel der Senioren in Serie geehrt werden sollen. Die Kobischs holten zudem zusammen den Strokeplay-Titel, den Alice Kobisch auch bei den Europameisterschaften einstrich, während Gatte Roman unter anderem mit MGC-Kollege Janßen zusammen den Mannschaftstitel holte.

Der MGC Mainz sei eben das Bayern München des Minigolfs, „das ist nicht überheblich gemeint, sondern rein von den Erfolgen her so“, betont Kobisch. Das habe mal ein Bayer nachgewiesen, der ein Punktesystem entwickelt und die Wettkampfergebnisse der vergangenen Jahre damit ausgewertet hatte – und da lag der MGC ungefähr so weit vorne wie der FCB in den Fußballstatistiken.

Es mag zwar ungewöhnlich sein, wenn wie im Falle des MGC ein Verein die Siegerpodeste einer Sportart so dominiert, aber das hat seine Erklärung in einer technischen Überlegenheit seines Vereins, ist Roman Kobisch überzeugt. „Lange Zeit waren wir überlegen, weil wir sehr viel Material zur Verfügung hatten“, erläutert er. Das bedeutet vor allem die Arbeit mit ganz vielen unterschiedlichen Bällen, „man muss sich mit dem Material befassen, wissen, was zu tun ist, denn wenn es kühler oder feucht wird – und damit haben wir uns intensiv beschäftigt“. Dies durchaus auf akademischem Niveau.

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Exakte Balltemperaturen

Schließlich trugen die MGC-Spieler Heizkoffer umher, die die Bälle darin mit digitaler Temperatureinstellung auf 0,1 Grad genau auf den Wärmegraden hielten, die die Spieler wollten; die Bälle sind heutzutage zudem so lackiert, dass sie zu 100 Prozent rund sind. „Da muss man  immer weiter probieren, was am besten funktioniert.“ Zwischen 1990 bis 2005 verschaffte sich der 1. MGC Mainz so einen Vorsprung durch Technik, „dann haben die anderen Vereine alle aufgeholt und nun muss man viel mehr trainieren als früher, das ist heute der Schlüssel“, sagt Roman Kobisch.

Der Nachwuchs profitiert auch heute noch von den Aufbruchzeiten, denn sozusagen hinter jedem Baum auf der Hartenberg-Anlage lauert ein erfahrener Champion, um die Jungen anzuleiten, berufene Tipps zu geben. Auch Alice Kobisch hatte ihre Vorbilder in ihren Jugendjahren, aber das war nicht in Mainz. Eine familiäre Vorbelastung ist bei ihr nicht von der Hand zu weisen. Ihre Eltern betreiben im heimischen Herscheid bis heute nebenbei die örtliche Minigolf-Anlage, ihre Mutter war mit Alice auch hochschwanger noch an den Bahnen aktiv und hat mit über 80 Jahren noch einen Deutschen Meistertitel eingefahren. Dass es Tochter Alice vom Sauerland 1987 nach Mainz verschlug, war der Liebe zuzuschreiben – nicht der zu Roman, die kam erst 1991 zustande.

Bald auf Jugend-DMs unterwegs

Beide sind Jahrgang 1965 und kannten sich daher dennoch schon lange, bevor es funkte, über die diversen Minigolf-Jugendwettkämpfe. Roman Kobisch kam mit zwei Jahren mit seinen Eltern aus dem tschechischen Karlsbad nach Bensheim und begann dort 1978 mit seinem Sport. Die Sache entwickelte sich gut, der Schüler war bald auf Jugend-DMs unterwegs, „und da trifft man den einen oder anderen und spricht mit denen, die besser sind“. Und die Mainzer waren damals schon meistens ganz vorne dabei.

Nach dem Abitur 1985 musste Roman Kobisch durch den Einstieg in das Zahnarztstudium in Frankfurt seine Ambitionen allerdings zunächst etwas zurückschrauben. Als er 1990 wieder etwas mehr Zeit hatte und auch wieder bei Deutschen Meisterschaften antrat, sprach ihn Bernd Szablikowski an, „ob ich besser werden will“. Kobisch wollte, „das hat den Bensheimern nicht gefallen“, ist ihm bewusst. Aber der MGC schätzte Kobischs Potenzial völlig richtig ein, wie sich schnell zeigte, gleich im ersten Jahr holte er mit seinem neuen Verein dem Deutschen Meistertitel.

Während des Berufseinstiegs zurückgesteckt

Nach dem Staatsexamen 1995 hatte erst einmal wieder der Job Vorrang, Hospitieren in der Praxis des Zahnarztes, dessen Praxis in Einhausen er dann 1998 Praxis übernehmen konnte, „in der Zeit habe ich wenig Minigolf gespielt.“ Unter der Woche arbeitete der junge Dentist, der bei der Hochzeit den Nachnamen seiner Frau angenommen hatte, um die deutschen Ohren und Zungen nicht mit dem tschechischen Namen Janicek zu überfordern, in seiner Praxis. Am Wochenende war seinerzeit Kinderhüten angesagt, denn Alice Kobisch war in Sachen Sport international unterwegs.

Aber auch bei Roman war das Minigolf noch lange nicht abgehakt. Als eigener Herr organisierte er seine Praxis nach und nach so, dass er sich bald die Auszeiten gönnen konnte, die er für den Sport braucht. „2012/13 habe ich dann entschieden, ich muss wieder mehr tun, habe auch gleich wieder International gespielt und das sofort wieder erfolgreich.“ Es ging nun auch mit der Nationalmannschaftt zu den Wettkämpfen, „das hat so viel Freude gemacht, und wenn man dann gewinnt, wird man noch mal besser“.

Anfahrten nehmen die Kobischs in Kauf

Eine Zahnarztpraxis lasse sich schlecht an einen anderen Ort verpflanzen, begründet Alice Kobisch, warum sich das Paar trotz der Fahrtzeiten an der Bergstraße niederließ und immer dort blieb. Die längeren Anfahrten nach Mainz nerven zwar etwas, aber nachdem im Januar 1998 und April 1999 recht schnell hintereinander die beiden Kinder des Minigolfpaares geboren waren, war die Sache endgültig entschieden. Alice Kobisch arbeitet heute in der Praxis ihres Mannes als Angestellte mit.

Seit einigen Jahren hat sie im Verein auch Vorstandsverantwortung, sie verwaltet sie Finanzen des MGC. Ab dem 15. Mai, wissen die Mainzer Minigolfer inzwischen, dürfen sie wieder auf das coronabedingt noch gesperrte Areal im Hartenbergpark, die Vorbereitungen laufen. „Das Dach wird repariert und wir müssen für die Desinfektion sorgen, ich kümmere mich gerade um die Mittel“, berichtet Alice Kobisch. Die Anlage im Volkspark, die besser zu überblicken ist und es einfacher beim Trennen der Laufwege der Spieler hat, durfte schon aufmachen. „Die Ein- und Ausgänge den Vorschriften entsprechend zu machen, wird eine Herausforderung für uns“, erläutert sie den Unterschied.

„Vorstandsarbeit lehne ich kategorisch ab“, stellt Roman Kobisch klar, freut sich aber schon darauf, dass es endlich wieder an die Bahnen geht. „Wenn die Sonne scheint, ist Minigolf einfach Teil des Lebensinhaltes.“ Die Bestimmungen in Rheinland-Pfalz erlauben die Nutzung der Bahnen zu zweit. Auch, wenn es nur um das Üben geht, drängt es die Kobischs mittlerweile an die Schläger, zumal auch die Anlage in Bensheim durch die hessischen Richtlinien noch nicht öffnen durfte. „So ein Urlaub vom ständigen Reisen ist ja erst einmal schön, aber dann wird es langweilig“, sagt Alice Kobisch, die den heimischen Garten als tipptopp gemacht meldet, „da sind wir früher nie zu gekommen, weil wir ab Mitte März sonst immer unterwegs sind“.

Leiden an der entfallenen Saison

So eine Saison ohne richtigen Wettkampf tue schon weh, meint Roman Kobisch, der im Januar und Februar in Zürich und Mannheim noch Hallenwettkämpfe bestritten hatte. „Dadurch, dass nicht nur ich, sondern keiner spielen darf, bin ich gar nicht so traurig“, sagt Alice Kobisch dagegen. „Wenn ich wegen einer Verletzung aussetzen müsste, während alle anderen spielen können, das täte weh.“ Im Dezember drohte ihr genau solch ein Szenario: eine Kniekarambolage bei Skifahren, die sich dann aber als nicht so langwierig erwies.

Und auch mit Mitte 50 ist die Minigolfkarriere noch lange nicht vorbei, da muss Alice Kobisch nur mal wieder bei der Familie in Herscheid vorbeischauen. „Es ist ein Sport, den man auch bis ins hohe Alter betreiben kann.“ Und das auf hohem Niveau, wie die Kobischs beweisen. „Man ist an der frischen Luft, kann den Sport mit viel oder wenig Aufwand machen und später wieder einsteigen“, zählt sie auf. Wie bei vielen Randsportarten wird es allerdings finanziell etwas aufwendig, das ganze Programm mitzumachen. „Die meisten Kosten bleiben an den Spielern hängen“, sagt sie. Der 1. MGC sei aber auch da gut aufgestellt, zahlt Spritgelder und Übernachtungszuschüsse, auch vom Innenministerium und der Stadt kommt immer wieder einmal Unterstützung.

„Wir haben eine eigene Anlage, müssen keine Angestellten und keine Trainer bezahlen, weil die Jüngeren von den Älteren lernen“, erläutert die Finanzchefin. Sie als Geschäftsführung sitze zudem auf dem Geld und wisse daher „wir werden die Krise überstehen“. Sollten sich mehr Sponsoren aus der Wirtschaft bereiterklären, den Verein beim Verteidigen seiner herausragenden Rolle im Minigolfsport zu stützen, hätte der MGC freilich auch nichts dagegen.

 

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